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Apple vor Kauf von Kopfhörer-Unternehmen Beats

Im Silikon Valley wird es spannend – der Hardware und Software Hersteller Apple mit Haupt-Sitz in Cupertino in Kalifornien will die im Jahr 2006 gegründete Kopfhörer-Firma Beats Electronics von den Musik-Urgesteinen Dr. Dre und Jimmy Iovine kaufen – für den Preis von 3,2 Milliarden US-Dollar. US-Medienberichten zufolge könnte der Deal von Apple Chef Tim Cook bereits in der nächsten Woche final sein – offen sind noch einige Details, die jetzt geklärt werden. Bisher hat sich weder Apple noch Beats zu den Berichten geäußert.

Apple mit Musikdownloads in der Not?

Tim Cook hat seit der Übernahme als Konzernchef von Apple nach dem Tod von Steve Jobs ein Problem und steht unter Erfolgsdruck: trotz überragender Verkaufszahlen vom iPhone und guten Verkaufszahlen vom iPad und Mac OS Geräten ist keine erkennbare größere Veränderung und Produktkategorie eingeführt worden. Die Fußstapfen von Steve Jobs scheinen zu groß. Apple Fans beklagten das Update für iPhones auf iOS 7, die iPhone 5C Geräte verkaufen sich schlechter als geplant und auch im Musikbereich sinken die Musikkäufe sowie Downloadzahlen.

Mit dem iPod und dem iTunes Store revolutionierte der Software Konzern einst die Musikbranche und zeigte, wie man im digitalen Zeitalter mit stylischen Produkten und guter Software sehr viel Geld verdienen kann. Nun scheint es so, als haben Streaming-Dienste wie Spotify oder Pandora dem Musikgiganten den Rang abgelaufen – zwar bietet Apple in den USA einen Streaming-Dienst an, dieser („iTunes Radio“) spezialisiert sich auf werbefinanzierte Musik, die dann im hauseigenen iTunes Store gekauft werden kann. Nutzer tendieren jedoch immer mehr zu Abo-Modellen, bei denen ein fester Betrag im Monat für das Streaming gezahlt wird und dann jegliche Musik aus dem Angebot gehört werden kann. Spotify (über 6 Millionen Abonnenten weltweit) dagegen bietet sogar ein kostenloses Streaming Angebot an, das durch Anzeigen werbefinanziert ist. Der Erfolg von iTunes Radio bleibt bisher für Apple aus, das liegt zum einen an der Beschränkung auf die USA (woanders ist der Dienst nicht benutzbar), zum Anderen stört die Menge an Werbung die Benutzer.

Kopfhörer-Firma Beats als Lösung für das Musikgeschäft

Durch die Übernahme vom Kopfhörer Hersteller Beats hat Apple nicht nur neue Hardware, die stylischen Dr. Dre Kopfhörer von Beats, die Firma hat vor einigen Monaten auch einen Musik-Streaming Dienst gegründet, Nutzer der Streaming-Plattform beklagen jedoch Probleme und der Service ist der Konkurrenz unterlegen. Außerdem hatte Beats mehr Nutzer prognostiziert und große Summen für Werbung investiert, die User bleiben bisher weiter aus. Apple hat dagegen mit über 800 Millionen zahlenden iTunes Usern ein riesiges Potential, das Aufpolieren des Streaming-Dienstes ist für die Apple Ingenieure sicherlich auch kein Problem. Falls der Deal abgeschlossen wird, werden die Musik-Download aber noch rapider sinken – ein Dilemma für Tim Cook. Die Einnahmen vom bisherigen Musik-Angebot gehen zurück, Apple hat den Trend hin zum Abo bzw. Streaming Konzept verschlafen und muss nun teuer nachkaufen.

Kritiker des jetzt bekannt gewordenen Deals bemängeln schon jetzt die Innovationskraft des einstigen Branchen-Primus Apple, seit mehreren Jahren sind keine wirklich innovativen und neuen Produkte und Services aus Apples Schmiede hervor gezaubert worden. Dies mag zum einen an der Umgewöhnungsphase an den neuen Chef Tim Cook gelegen haben. In den letzten Monaten beteuerte der Konzernchef immer wieder, dass Apple an interessanten und tollen neuen Produkten arbeite und kurz vor der Fertigstellung stehe, etwa die (Gerüchten zufolge) neue „iWatch“, etwas sehenswertes hat Apple jedoch noch nicht herausgebracht. Apple besitzt Finanzreserven in Höhe von 151 Milliarden US-Dollar (!), bisher wurden keine Investitionen über 1 Milliarde US-Dollar für Firmen getätigt, der Deal wäre die größte Transaktion in der Konzern-Geschichte

Ein weiterer Grund für den Kauf könnte sein, dass Apple sich die störende Konkurrenz im Musikmarkt einverleibt. Der Software Hersteller verkauft in den Apple Stores auch die Headphones von Dr. Dre und könnte durch den Beats-Kauf die Gewinnmarge vergrößern. Darüber hinaus könnten zukünftige Apple-Geräte mit Beats-Kopfhörern ausgeliefert werden. Ein weiterer Punkt beim Deal ist, dass Apple das Personal vom Headphones-Hersteller mit übernehmen würde, sodass etwa der Gründer Jimmy Iovine ins Apple-Management wechseln könnte und dort eine wichtige Kapazität und Innovator im Muikbereich wäre.

Ein interessanter Aspekt am Rande des Deals: Apple Konkurrent und Smartphone-Hersteller HTC hatte bereits 2011 Mehrheitsrechte im Wert von 300 Millionen US-Dollar an dem Kopfhörer-Unternehmen Beats erworben und diese im September 2013 wieder verkauft.


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